Die Tradition

Dieser weltweit einzigartiger Fasnachtsbrauch ist nur den Einheimischen in Villmergen vorbehalten, die im 50. Lebensjahr stehen.

Für das Villmerger Güüggen gibt es keinen Vorverkauf und die Berechtigung zum Mitmachen kann man sich weder mit Geld erkaufen, noch mit guten Beziehungen erschleichen.

Seit 1960, als die Villmerger Dorffötzel den althergebrachten Fasnachtsbrauch neu organisiert haben, ist das Güüggen einem exklusiven Kreis vorbehalten – den Frauen und Männern im 50. Lebensjahr, welche entweder in Villmergen aufgewachsen oder dort zugezogen sind. Die „Güüggi-Fasnacht“ beginnt für die jeweiligen „Fünfziger“, wie sie im Dorf genannt werden, spätestens ein paar Monate nach ihrem 47. Geburtstag. Der traditionelle Brauch benötigt mindestens 3 Jahre mehr oder weniger intensive Vorbereitungen. Damit auch ja alles klappt, wird vom entsprechenden Jahrgang stehts ein Güüggi OK Vorstand mit Präsidentin oder Präsident gewählt. Danach werden an unzähligen Sitzungen über Monate hinweg neue Ideen entwickelt - und die meisten davon auch ganz schnell wieder verworfen. Schliesslich hat so ein Brauch seit Jahrzehnten ein festes Ritual, das in seinen Grundzügen niemals angetastet werden darf. Im Frühsommer vor der Güüggi-Fasnacht treffen sich die Fünfziger zum Staudenmachen im Wald und gegen Herbst werden aus Kuhhörnern die legendären Güüggi in liebevoller Kleinarbeit hergestellt. Ausserdem muss das Kleid für den Güüggi-Bueb entworfen und genäht werden, der seit 1960 den damals gebauten Dorfbrunnen ziert. Die verbleibenden Monate bis zur Fasnacht wird fleissig geübt. Vor allem das anspruchsvolle Güüggen selber, muss geübt werden, immer wieder und stundenlang, damit die Kondition und Konzentration eine ganze Fasnacht lang anhält. „Gü gü güü,gü gü güü, gü gü gügügü, gü gü güü“.

Aber auch der Körper muss trainiert werden, denn so eine Güüggi-Fasnacht ist der reinste Marathon, der einiges an Durchstehungs-vermögen verlangt.
Am Vorabend des Schmutzigen Donnerstag wird nun der Güüggi-Bueb eingekleidet, dann geht es zur ausgedehnten Hauptprobe mit dem frühmorgentlichen Schminken und dann zur eigentlichen Fasnachtseröffnung, dem Güggen um 4 Uhr in der Früh. Der Zug durch das Dorf vorerst traditionell beim Fasnachtsfeuer, das die Fünfziger am Vortag aus den im Sommer gefertigten Stauden aufgeschichtet haben. Und schon geht es weiter mit „Gü gü güü,gü gü güü, gü gü gügügü, gü gü güü“, durch alle Geschäfte und Dorfbeizen, den ganzen Tag hinweg. Gekrönt wird dieser erste von insgesamt sechs kräfteraubenden Güüggi-Tagen schliesslich mit der gemeinsamen Ballnacht. Wahrlich, ein verlockendes Programm.

Danke den 1955er für diese tolle Beschreibung
 

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